Kommentar – iPhone 7 Innovation oder Abzocke!?

Schon bei meinen ersten Worten ist mir klar, dass ich mit diesem Artikel polarisieren werde. Und genau das will ich auch, denn es ist manchmal notwendig zu polarisieren, um Menschen zum Nachdenken und Diskutieren zu bewegen. Der Apple Konzern muss meines Erachtens mehr bieten als neue Tricks, um Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen und möglichst wenig Steuern zu zahlen – insebsondere wenn er sich dieser locker leisten könnte, wie wir sehen werden. Apple sollte wieder – oder endlich einmal – in Visionen investieren, wie es Google, Tesla oder Uber machen.

Unverschämtheit wird zu Mut

Glaubt man Apple, dann gehört Mut dazu, beim neuen iPhone 7 auf die 3,5mm Klinke für Kopfhörer zu verzichten. Dazu gehört eher Unverschämtheit, ebenso wie bei HTC, als diese es 2008 mit dem G1 (Dream) versucht haben. Kunden sollen jetzt also zum überteuerten Prestige-Smartphone auch noch teure Bluetooth-Kopfhörer kaufen, die möglichst vom Unternehmen Beats hergestellt werden, welches Apple vorsorglich aufgekauft hat.

Dabei ist die Funktionalität der seit 50 Jahren universal verwendete 3,5mm Klinke einwandfrei; unter anderem passen alle Kopfhörer zu allen Geräten. Und genau das, so muss man es dem Konzern einfach vorwerfen, passt Apple nicht. Apple ist nicht gewillt, dass irgendjemand irgendetwas mit dem Gerät macht, für das er dem Konzern nichts bezahlt hat. Das ist einfach und simpel ein Geschäftsmodell, und eine Gelddruckmaschine.

Sicher sagen jetzt viele, das klingt übertrieben: Apple ist die wertvollste Firma der Welt. Allein im vergangenen Jahr erzielte sie mit über 53 Milliarden Dollar den größten Gewinn, den je ein Unternehmen erreichen konnte. Die 13 Milliarden an Steuern, die Apple nach dem Willen der Europäischen Kommission an Irland zahlen soll, kommen demnach nur aus der Portokasse. Zudem sitzt Apple auf einem Berg aus Geld – über 200 Milliarden Dollar, mehr als das Bruttosozialprodukt eines mittelgroßen europäischen Landes. Und genau da liegt doch das Problem. Die Apple-Watch war, in Zahlen gemessen, ein überteuerter Flop, und die Absatzzahlen des iPad sind weiter rückläufig. Dem einst so innovativen Konzern fällt allem Anschein nach nichts mehr ein.

Tricks statt Innovationen

Es ist doch bezeichnend, dass Apple neben der Abschaffung von Stöpseln mit Steuertricks von sich reden macht, während vergleichbare Unternehmen ihr Geld in Visionen investieren.

Amazon-Chef Jeff Bezos verwandelte die ursprünglich als Online-Buchvertrieb gegründete Firma zuerst in ein Universalwarenhaus, um dann Milliarden in die Weltraumfahrt zu investieren. Elon Musks Autofirma Tesla entwickelt neben Autos auch Batterien, die es Häuser und Unternehmen ermöglichen sollen, die Sonnenenergie zu speichern und völlig unabhängig vom Stromnetz zu werden. Google investiert in alternative Energien und testet führerlose Fahrzeuge, wie übrigens auch Travis Kalanicks Firma Uber. Das in 72 Ländern operierende Mitnahmenetzwerk, das bereits heute um ein Drittel wertvoller ist als General Motors, will das Anmieten führerloser Autos und LKW so billig und bequem machen, dass sich die Anschaffung eines eigenen Autos nicht mehr lohnt.

Apple steht alleine da

Apple muss sich wieder mehr einfallen lassen als ausschließlich neue Wege, um seinen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen und möglichst wenig Steuern zu zahlen. Nicht allein aus moralischen Gründen.

Wer sich einmal den Ruf erworben hat, seine Machtstellung zu missbrauchen, wie es auch Microsoft getan hat, wird das Image dann nie wieder los werden. Auch dann nicht, wenn er Milliarden in gute Zwecke investiert, wie es Bill und Melinda Gates mit ihrer Stiftung tun.

Apple profitierte von diesem Negativimage Microsofts. Das Leben des Underdogs Steve Jobs war der Stoff, aus dem Legenden und Hollywoodfilme gemacht werden; diese Legende machte das Logo des angebissenen Apfels zu einem Wahrzeichen. Der fehlende 3,5mm Klinken-Anschluss könnte für Apple nun aber zum Zeichen werden, dass etwas faul ist in Cupertino. Dort entsteht ein ringförmiger Prachtbau als Firmenzentrale. Nichts gegen Prachtbauten, aber der Ring scheint mir persönlich als ein Symbol für die Leere im Zentrum.

Die Leere, die ein wahrer Visionär und brillianter Stratege hinterlassen hat, und der mit Sicherheit lieber Mut gezeigt hätte, indem er Milliarden in ein Projekt steckt, welches gegebenenfalls spektakulär scheitert, als an einem Mangel an Vision und einem Verlust an Sympathie langsam zugrunde zu gehen. Apple hat seine treibende Kraft ohne Zweifel verloren, und ich kenne keinen Motor, der ohne den richtigen Kraftstoff endlos gelaufen wäre. Apples passender Kraftstoff war Steve Jobs, den Apple nicht adäquat hat ersetzen können.

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