Android Gerücht – Kauft Google HTC?

Nachdem sich die Gerüchte in den Medien inzwischen zu häufen scheinen, will auch ich mich an dieser Stelle einem Thema widmen, von dem ich bereits länger befürchtet habe, dass dieser Tag kommen wird. Etwas wehmütig lese ich die aktuell erscheinenden Artikel – und schreibe nun einen eigenen darüber. Es geht heute darum, dass wir aktuell scheinbar einem, wenn nicht dem, Pionier im Bereich der Entwicklung von Android Smartphones bei seinen letzten Atemzügen zusehen dürfen – oder was mich betrifft müssen. Egal was passiert ist er für mich DER Smartphone-Pionier und wird es auch stets bleiben. Aber die Tage scheinen aktuell mehr als gezählt – leider.

Es klingt wie das Reiten eines toten Pferdes, und fühlt sich an diesem Punkt beim Schreiben auch zweifellos so, da es sich hier um HTC dreht. Der Hersteller aus Taiwan ist in sehr schlechtem Zustand, was sehr zu meinem Bedauern schon seit geraumer Zeit der Fall ist und sich vor allem nach dem Scheitern des HTC 10 im letzten Jahr noch einmal verschärft hat. Traurig sind sicher auch die wenigen unter uns, die noch eine Weile dachten, oder besser hofften, dass das neueste HTC U11 zumindest ein Stück zur Lösung dieses Problems beitragen würde.

Diesen Monat zeigte sich nämlich, dass dem offensichtlich nicht so ist, wenn man den jüngsten Finanzbericht des taiwanesischen Smartphone-Herstellers liest. Er zeigt auf, dass der August 2017 als schlimmster Monat der letzten 13 Jahre ausgewiesen wird. Der Umsatz sank um 51,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat und sogar 54,3 Prozent im Vergleich zum August 2016.

Google Verhandlungen mit HTC bereits in finaler Phase!?

Aber kommen wir zu den interessantesten Gerüchten: es scheint, dass HTC in der „Endphase der Verhandlung“ mit Google um den Verkauf seines Smartphone-Geschäfts ist. Laut aktuellen Veröffentlichungen auf renommierten Onlineportalen prüft Google demnach zwei mögliche Szenarien: Entweder wird man zum strategischen Partner oder erwirbt den gesamte Smartphone-Bereich. Allerdings ist HTC’s Vive-Bereich wohl vom Tisch, und wird im Falle eines – wie auch immer gearteten Erwerb – vom Such-Giganten unabhängig bleiben.

Das überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass das letztjährige Google Pixel-Duo sowie eines der diesjährigen Pixel-2-Modelle von HTC hergestellt werden. Google scheint in diesem Jahr zumindest nicht mehr vollständig von HTC’s Fähigkeiten – ein Smartphone schnell in großen Zahlen zu produzieren – überzeugt, da sie sehr wahrscheinlich das größere Full-Screen Pixel-2-Modell durch LG produzieren lassen werden.

Strategisch wäre es also der logische Schritt, um seine Pixel Marke in-house zu fertigen und aktiv auf dessen Entwicklung Einfluss nehmen zu können.

Obwohl bisher keiner eine Quelle für die gemachte Behauptungen lieferte, sanken die Aktien für das Unternehmen HTC an einem einzigen Tag noch einmal um bis zu 8 Prozent, was einen möglichen Verkauf sogar einfacher machen würde.

Warum ausgerechnet ein Kauf durch Google? Das ergibt durchaus Sinn!

Der offensichtlich Grund für einen ganzheitlichen Kauf wäre, dass Google noch mehr Kontrolle über die Fertigungs-und Entwicklungsprozesse erhielte. Außerdem wäre Google in der Lage ein Smartphone zu kreieren, das wirklich nach seinen Standards und Maßstäben entwickelt wurde, bei einer gleichzeitigen Senkung der Kosten im Falle der Eigenproduktion.

Bei einem Kauf von HTC würde unter Anderem das Kunden/Auftragnehmer Verhältnis wegfallen und damit den gesamten Designprozess dramatisch vereinfachen – und Google würde eine Firma besitzen, die (diskutabel) die best aussehenden Smartphone der Welt hervorbringt.

Aber das wirft auch Fragen auf.

Warum sollte Google dies tun wollen, nachdem es Motorola an Lenovo erst 2014 verkauft hat?

Der Verkauf von Motorola wurde als stillschweigende Erklärung angesehen, dass der Such-Gigant keine Verwendung für eine eigenen Smartphonemarke finden konnte. Jedoch hätte er auch glücklich sein und ein Pixel Projekt bereits zu dieser Zeit in Erwägung ziehen können, anstatt die Marke Moto an Lenovo zu verkaufen. Wenn Google auf der anderen Seite das Teil verwirklichen will, einen Hauptspieler im Bereich der High-End Hardware zu besitzen, um vor der wachsenden Konkurrenz von Samsung und von Apple gewappnet zu sein, dann bildet HTC einen weitaus höheren Mehrwert als Motorola.

Der Kauf der Motorola hatte seinen Sinn und Zweck im Wesentlichen in dem Zugang zu den zahlreichen Patenten der Marke zu, wobei das Smartphone-Geschäft nur ein Teil eben dieses Deals war und er letztlich an Lenovo weiterverkauft wurde.

HTC ist hingegen ein „echter“ Fertigungspartner, der über Fähigkeiten und Erfahrung bei der Herstellung von Smartphones nach vorgegebenen (Fremd-)Spezifikation verfügt und eine der weltweit führenden Designabteilungen betreibt. Kurzum eine größere Fähigkeit Premium-Handsets anzubieten, wo Motorola lediglich die Chance bot, in den Budget-Markt einzusteigen.

Obendrein haben Google und HTC haben eine miteinander verwobene Android Geschichte, denn die Taiwamer haben nicht nur die ersten zwei Android Smartphones produziert, sondern auch das erste Nexus Smartphone – damals noch unter dem Google Branding. Seitdem ist Google ein enger Verbündeter der Marke, die auch andere Geräte für den Such-Giganten (z. B. das Nexus 9) fertigte, zu denen nun auch das Pixel und Pixel XL, sowie eines der neuen Pixel 2 Geräte zählen. Für Google wäre es also aktuell ein relativ nahtloser Übergang.

Was ist mit HTC passiert?

Es wäre eine längere Geschichte wenn mansie hier vollständig wiedergeben würde, um zu erklären was im Detail mit HTC geschehen ist. Aber eine Sache steht fest: grundlegende Dinge müssen sich ändern, wenn das Unternehmen noch auf irgendeine Art Erfolg haben will.

Bei der Einführung des jüngsten HTC U11, war Chia-Lin Chang, Präsident von HTC-Smartphones, offensichtlich ebenfalls genau daran interessiert:

Dies ist ein großartiges Telefon mit tollem Design und großer Innovationskraft – und die Leute suchen nach großartiger Leistung. Ich denke, die Kombination dieser beiden Faktoren wird hoffentlich auch den Verbrauchern das Gefühl geben, dass dies ein gutes Telefon ist.

Es gab aber auch in dieser Äußerung bereits einen leisen Ruf der Verzweiflung – die schlichte Hoffnung, dass man HTC durch eine Kombination der richtigen Faktore wieder an deren rechtmäßigen Platz in der Spitze sehen würde, und die Verkäufe so einen Aufschwung erleben. Das hat sich bisher zu meinem großen Bedauern leider nicht bewahrheitet. Chang sprach im gleichen Atemzug auch über die Notwendigkeit für HTC, seine Aufstellung zu rationalisieren.

Und genau das ist es, was HTC jetzt braucht: die Ressource, um seine Infrastruktur neu zu beleben – für Investitionen, die dem Konzern helfen, in einem bereits gesättigten Markt mehr Risiken einzugehen, und der Marketingkraft (die in der Vergangenheit mehr denn je fehlte seine Smartphones aktiv und penetrant in den Vordergrund zu drängen.

Die einzige Frage, die bei eine Übernahme durch Google noch offen ist, ist die Frage danach, wie viel von der DNA des Unternehmens konserviert werden kann. Wäre das Pixel eine Produktsparte neben der U-Serie oder das einzige Smartphone, welches HTC dann noch herstellt? Wird die preisgünstigere Desire-Linie eingespart und daher wegfallen, oder lassen sich Skalierungseffekte nutzen, um sie zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu verkaufen?

Es gibt ein gewisses Maß an Sinn für den Kauf von HTC durch Google, aber es hängt davon ab, ob die stolze HTC-Führung dazu bereit ist zu verkaufen, oder die jüngsten Änderungen an der Spitze genau dazu entwickelt, um das Unternehmen gar besser verkäuflich zu machen.

Wenn der Google-Kauf durch geht, besteht hier in jedem Fall die Hoffnung, dass die Essenz der Marke HTC erhalten bleibt – die noch immer eine der ursprünglichen Smartphone-Marken mit einem unglaublich reichen Erbe und großartigen Design-Fähigkeiten ist, und die damit etwas wirklich anderes bieten kann als der Rest des Marktes.

[Update 20.09.2017] Und es passiert nun scheinbar tatsächlich. Innerhalb einer sehr kurzen Zeit nach aufkommen der ersten – valide erscheinenden – Artikel, hat HTC seine Mitarbeiter in Taipei nun für morgen, den 21.09. zu einer außerordentlichen Versammlung geladen. Einzige Thema: Google Erwerb einiger Hardware und Vermögenswerte.

Zeitgleich gab das Unternehmen bekannt, dass es seinen Aktienhandel ab morgen stoppen werde:

Somit waren IDE Verhandlungen bei Bekanntwerden offenbar in der Tat bereits in einer sehr finalen Phase begriffen.

Es scheint sichbei dem genannten Erwerb zudem, wie bereits von vielen spekuliert und erwartet, um die Smartphone Sparte von HTC zu handeln, Da Informanten ebenfalls bereits bekannt gaben, dass der Name HTC von dem Erwerb unberührt bleibe. Dies spricht dafür, dass das bereits entkoppelte HTC Vive Business auch künftig als eigenständiges Unternehmen unter der Marke HTC firmieren wird.

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