Kommentar – 8 Regeln für den totalen Stillstand in Unternehmen von Prof. Dr. Kruse

Heute habe ich wieder einen Artikel aus meiner Kommentar-Reihe, die sich mit aktuellen, oder aber auch immer wieder aktuellen, Themen aus der Arbeitswelt befasst. Nachdem ich die Reihe mit einem Kommentar zum Spannungsfeld von Digitalisierung & Prozessoptimierung begonnen habe, ist sie stärker gewachsen, als ich es selbst zu Beginn geahnt habe. Inzwischen kamen Beiträge, wie etwa ein Erklärungsversuch der Blockchain, sowie deren Bedeutung für die Entwicklung der dApps, und damit verbunden auch das  Web 3.0, hinzu. Heute möchte ich mich daher dem Thema erneut widmen, und einmal näher beleuchten, welche Regeln man bei Change-Prozessen beachten sollte, und wie man – damit verbundene – unternehmerische Entscheidungen auf eine neue, solide Basis fussen kann.

Die Artikel beschrieben, wie so vieles andere in der Wirtschaft einen laufenden Change Prozess, deren Geschwindigkeit unser eins nur sehr schwer – wenn überhaupt – beeinflussen kann. Dabei stellen sich uns im Kern immer wieder die folgenden die Fragen:

  1. Wie kann ein Unternehmen Change am besten vorantreiben?
  2. Was sollte man tunlichst sein lassen?
  3. Was ist das gesunde Maß all dessen?
  4. Und wie können die „richtigen“ Entscheidungen getroffen werden?

Die Antwort hierauf findet man in einem amüsant gestalteten Vortrag von Prof. Dr. Kruse, den er in der immer – mehr oder weniger – gleichen Form bei vielen Gelegenheiten gehalten hat. Prof. Dr. Kruse (* 30. Januar 1955 – † 1. Juni 2015) war Psychologe und Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen. Seit Beginn der 90er Jahre arbeitete er zudem als Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt auf Anwendung und praxisnaher Übertragung von Selbstorganisationskonzepten auf unternehmerische Fragestellungen.

In seinem humoristisch-satirischen Vortrag zeigte Er seine sogenannten 8 Regeln für den totalen Stillstand in Unternehmen auf. Ein witziger Vortrag zum Schmunzeln, dessen Inhalt allerdings leider, damals wie heute, noch immer auf viele Unternehmen zutrifft, und damit unternehmerischen Erst bedeutet. Er zeigt auf in wie vielerlei Hinsicht heutige Unternehmen umdenken müssen, wollen Sie den Anforderungen der Digitalisierung, mit all ihren Blockchains und dem Web 3.0 gerecht werden, und einer sich dramatisch verändernden Wirtschaft konkurrenzfähig bleiben.

Die 8 Regeln

Welche Regeln sollte man beachten, oder besser eben auch nicht

Folgend seht Ihr Prof. Dr. Kruses Vortrag aus dem Jahr 2008, zu besagten 8 Regeln, welche aus seiner Sicht bei Einhaltung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jeglichen Change-Prozess in einem Unternehmen zum erliegen bringen:

Ich habe alle in seinem Vortrag genannten Regeln nachstehend noch einmal versucht in einer übersichtlichen, kurzen, und knackigen Liste für Euch festzuhalten:

  1. Führungskräfte sollen sich komplett heraushalten oder alles im Griff haben. Ausschließlich in diesen beiden Extremen aufhalten
  2. Diskussionen über mögliche Veränderungen ausschließlich auf informeller Ebene führen. Immer Gerüchte machen
  3. Möglichst viele Aktivitäten gleichzeitig veranlassen. Operative Hektik machen und für ständige Überforderung sorgen
  4. Einen umfassenden internen Wettbewerb ausrufen. Jeden Mitarbeiter darauf hinweisen, dass nur der Einsatzbereiteste überlebt
  5. Immer nach Verursachern und Schuldigen von Problemen suchen. Nicht einfach etwas verändern, sondern Schuldigen finden und tiefgründig analysieren
  6. Niemals öffentlich über den Sinn und Unsinn von bestehenden Regeln diskutieren. Existierende Regeln nicht infrage stellen
  7. Beschlüsse auf formeller Ebene schnell konsensfähig machen, um sie dann informell infrage zu stellen. Für schnelles Commitment sorgen
  8. Die Veränderungsgeschwindigkeit auf der Beschlussebene sollte immer größer sein als auf der Umsetzungsebene. Immer maximale Beschlussdynamik bei minimaler Umsetzungsdynamik halten

Es gilt also, mit Blick auf die obigen Aussagen, stets den gesunden Mittelweg zu suchen, finden, und ihn vor allen Dingen auch sehr bewusst zu wählen. Andernfalls, so die Konsequenz, wird ein Unternehmen keinen Change-Prozess erfolgreich absolvieren, sondern in einem andauernden Stillstand verharren.

Der Weg zur Entscheidung

Neben seinen 8 Regeln, hat Prof. Dr. Kruse, unter Anderem, auch Methodiken der Entscheidungsfindung eingehender beleuchtet. Auch hierzu möchte ich Euch zunächst ein Video, mit einem Ausschnitt aus einem Interview zeigen, um hernach kurz und knapp aufzuzeigen, wie man aus seiner Sicht – die sich im übrigen auch mit meiner Einschätzung deckt – zur richtigen Entscheidung kommt.

Als Fazit aus dem Video lässt sich sagen, dass es keine Form der Entscheidungsfindung gibt, mit welcher man eigenständig, ohne sie zu chalangen, zu dem richtigen Ergebnis kommen kann. Vielmehr skizziert Prof. Dr. Kruse eine sehr spannende Kombination aus zwei Wegen, die eine wissenschaftliche, mit einer scheinbar zufälligen Möglichkeit der Entscheidungsfindung vereint.

Die Aussage seines Beitrags, auf das wesentliche Element herunter gebrochen, lautet also:

Fragen Sie eine Menge X an Menschen, wie Sie in der vorliegenden Situation, intuitiv entscheiden würden, um ein Problem/eine Herausfoderung/einen Change zu lösen, und nutzen Sie daraufhin statistische Methoden um zu ermitteln, welches die Mehrheitsentscheidung in der befragten Gruppe ist.

Intuition, so das Fazit, ist immer die beste Methodik, so lange die Intuition jedes Einzelnen unter gleichen – oder aber zumindest sehr ähnlichen –  äußeren Bedingungen entwickelt wurde. Wir sollten also darauf vertrauen, dass im Falle der gleichen Intuition Vieler davon ausgegangen werden kann, dass diese den aktuellen Rahmenbedingungen entspricht, und man so, mittels einer statistischen Gewichtung stets die beste Lösung für unternehmerische Entscheidungen finden wird. Da komplexe Sachverhalte kaum noch wissenschaftlich analysiert, sondern lediglich simplifiziert, und hierdurch verfälscht werden können, bietet sich das implizite, intuitive Wissen der Prozessbeteiligten als eine Form des Think-Tank-Modell in der heutigen Prozesswelt wesentlich stärker an.

Da man Entscheidungen, in dieser Konsequenz, also nur noch sehr bedingt mit Logik hinterfragen kann, sollten – so die Konsequenz auf Prof. Dr. Kruses studien – Change Prozesse eines Unternehmens auf einem Mix aus Intuition und statistischen Methoden fussen. Berücksichtigt man zugleich die aufgestellten Regeln, oder besser alle sich aus eben diesen ergebenden Konsequenzen/Wege der Mitte, so können Change-Prozesse auch in einer sich schnell verändernden Umwelt erfolgreich umgesetzt werden. Dies gilt aktuell insbesondere in direktem Bezug auf das Schlagwort Digitalisierung/Industrie 4.0, und die hierdurch einhergehende Entscheidungskomplexität.

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