Vom Blogger-Schreibtisch – Wie die Smartwatch die Uhrenidustrie beeinflusst

Vor knapp 100 Jahren begann die traditionelle Armbanduhr ihren Siegeszug, da sich Taschenuhren für die Männer im ersten Weltkrieg als unpraktisch erwiesen. Grund genug, sollte man meinen, dass sich die Branche auf der weltgrößten Uhrenschau „Baselworld“ gut gelaunt präsentiert. Doch die zum Alltagsgegenstand gewordene Armbanduhr hat inzwischen neue Konkurrenz bekommen: die Smartwatch. Sie zwingt die Hersteller zum umdenken. Würde sie durch die Branche zu Beginn als ein Smartphone mit einer zusätzlichen Funktionalitäten nur müde belächelt, verdrängt sie inzwischen besonders billige Uhren aus den Regalen.

Dies liegt insbesondere daran, dass sich der Trend der Smartwatch, wieder allen Erwartungen, doch beginnt durchzusetzen. So wurden im vergangenen Jahr erstmals mehr Smartwatch es verkauft, als Schweizer Armbanduhren. Besonders der Absatz im Segment bis 200 Euro sackte dabei nach unten durch, und fiel auf das niedrigste Niveau seit 33 Jahren. Die falsche Annahme des Parmigiano-Chef Jean-Marc Chaotc (2014)

[…] Eine Smartwatch oder eine AppleWatch werde nie ein Statussymbol, wie eine Markenartikel werden […]

scheint damit inzwischen widerlegt.

Traditionsfirmen beginnen umzudenken

Johannes Graf, seines Zeichens Direktor des Deutschen Uhrenmuseums, sieht dies anders, als Chacot:

„Viele kaufkräftige Kunden, die sich früher über eine Luxushotel definiert haben, tragen heute eine Smartwatch, weil sich als moderner gilt.“

So wundert es wenig, dass einige der namhaftesten Traditionshersteller inzwischen umdenken, und den Widerstand gegen die Mini-Computer am Handgelenk aufgeben. So haben Hersteller, wie Tag Heuer inzwischen eine Luxus-Smartwatch im Programm, die die Mechanik der Zeitmessung, mit den Konzepten einer Smartwatch verbindet.

Hinzu kommt, dass Kunden ihre Uhren früher in aller Regel im Laden erworben haben. Aber auch der Uhrenhandel verlagert sich inzwischen in den Bereich des eCommerce, weshalb einige Luxusmarken dieses Terrain inzwischen auch zu erschließen begonnen haben. Die Herangehensweisen sind hierbei gänzlich unterschiedlich. Hat TagHeuer Modelle im Programm, die ausschließlich online erworben werden können, bietet Swatch seine Marken Tissot, Longines und Swatch sowohl im Laden, als auch online an.

Omega Sondermodell auf Instagram

Omega geht gar einen Weg, der die Branche durchaus schockiert hat. Der Konzern bot sein Sondermodell Speedmaster exklusiv, und ausschließlich, auf der Online Plattform Instagram an. Die Aktion lief derart gut, dass alle Modelle, der knapp 5000 Euro teuren Uhr, binnen weniger Stunden komplett vergriffen waren.

Krise überwunden?

Die kurzfristige Krise scheint durch die neuen Strategien überwunden. So hat Swatch mittels neuer Modelle, Onlinemarketing u.v.m. in 2017 einen Zuwachs von 5,4% erzielt. Der Gewinn erhöhte sich gar auf 27 Prozent auf 755 Millionen Franken. Die Gruppe profitierte hierbei insbesondere von dem oben erwähnten Verdrängungsprozess im unteren Preissegment. Die Revolution von der Taschuhr, zur Armbanduhr, und wiederum zur Smartwatch frisst dabei insbesondere ihre Kinder, während große Namen noch lange erhalten bleiben dürften.

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