HTC Knowledge Center – Google/HTC Sooner, der Android-Erlkönig.

Wagt man einen Blick in die Geschichte von HTC, darf man dabei in keinem Fall den Erlkönig außen vor lassen. Um eben diesen – nahezu unbekannten – Vorgänger des HTC Dream/G1, soll es daher auch in meinem dritten Teil gehen, der Eckpunkte in der Historie der HTC Corporation aufzeigen soll. Als Google zum ersten Mal das Linux-basierte Android zeigte, zeigte das Unternehmen es auf einem Gerät, welches große Ähnlichkeit zu BlackBerry, oder auch den Nokia E-Klasse-Geräte seiner Zeit, aufwies. Dieses Gerät war das Google, bzw. HTC Sooner – ein OMAP850-Gerät von HTC ohne Touchscreen oder Wi-Fi. Es war das Android-Referenzgerät, der Erlkönig … und eben jenes Gerät, auf dem Google ursprünglich sein Android-Betriebssystem aufbaute.

Die Build von Android, die hier lief, wurde am 15. Mai 2007 erstellt, also vier Monate nach der Ankündigung des iPhone durch Apple. Die erste M3-Version von Android wurde dann im November 2007 angekündigt, und Android 1.0 kam erst ein Jahr später auf den Markt. Ich will versuchen euch das wenige, was über das Gerät heute noch bekannt ist zu präsentieren, und so den ersten Meilenstein in der Zusammenarbeit von Google und HTC zu umreissen.

Hardware

Das Google Sooner, auch bekannt als HTC EXCA 300, läuft auf einem OMAP850 mit 64MB RAM, und es sollte dieses Gerät sowohl in schwarzer als auch weißer Farbe geben. Es hatte einen 320×240 LCD-Bildschirm ohen Touch und einen 1.3 MP-Kamerasensor auf der Rückseite, der Videoaufnahmen unterstützt. Das HTC Sooner verfügte über eine vollständige QWERTY-Tastatur, ein Vierwege-D-Pad, vier Systemtasten – „Menü“, „Zurück“, „Home“ und „Favoriten“ – sowie Ruftasten. Im Inneren befindet sich ein 2G-Radio-Chip, der EDGE-Geschwindigkeiten erreicht, aber keine Wi-Fi oder 3G hat, ein miniSD-Steckplatz und ein miniUSB-Anschluss.

Software

Das Gerät läuft unter der Build htc-2065.0.8.0.0.0, vom 15. Mai 2007, was bedeutet, dass sie ein wesentlich früheres Stadium der Entwicklung aufzeigt, als jeder andere Blick, den man bisher auf Android erhalten hat. Sie entstand ein gutes halbes Jahr bevor die Milestone 3 (M3) von Android – also die erste Release-Version – angekündigt wurde.

Homescreen

Der Homescreen, der auch heute noch die primäre Schnittstelle zu Android ist, bietet auf dieser Vorabversion bereits eine Handvoll Gadgets, wie eine Uhr, und Anwendungen, die ihre eigenen Funktionen zur Verfügung stellen, sowie eine Google-Suchleiste, die man ein- und ausblenden konnte. Es gab damals noch keinen konventionellen Homescreen mit Widgets, und war buchstäblich alles, was Ihr zu sehen bekamt, wenn das Gerät eingeschaltet wurde. Es war ein Betriebssystem, das bereits von Beginn an dazu entwickelt wurde, die Google-dienste stark darin zu integrieren.

Apps

Klickte man auf die Schaltfläche Home, wurde der – ebenfalls bis heute bestand habende – App-Drawer mit allen installierten und verfügbaren Apps angezeigt. Es gab zudem bereits eine Verknüpfungsleiste, zu der Ihr jedes Mal, wenn Ihr euch innerhalb einer Anwendung befunden habt, Selbige durch Drücken der Menü-Taste hinzufügen konntet. Man konnte zudem bestimmte Aktivitäten in einer Anwendung zur Favoritenleiste hinzufügen, z.B. Bluetooth-Einstellungen, die denen von Windows Phone 7 ähnlich sind.

Gleiches galt für den Zugriff auf Eure Benachrichtigungen, die Mobilfunk- und Batterieeinstellungen, welche allesamt über die Verknüpfungsleiste möglich waren.

Klickt man auf den Pfeil nach unten, wird die Leiste Verknüpfungen erweitert, um alle auf dem System installierten Anwendungen anzuzeigen. Dies funktioniert genau so, wie man es von einem touchless Gerät aus dem Jahr 2006 erwarten würde. Es gibt keine Sortier- oder Ansichtsoptionen, sei dass jederzeit gilt: what you see is what you get. Der App-Drawer wurde damals noch als Overlay angezeigt, sodass Ihr von jeder Anwendung aus darauf zugreifen konntet, ohne zum Homecreen zurückzukehren zu müssen. Lustigerweise ist ein zweiter „All Applications“-Bildschirm in einer separaten App untergebracht gewesen. Dieser hat ein etwas anderes Aussehen und eine andere Haptik, funktioniert aber genauso.

Zukünftiger Homescreen

Wenn Ihr auch an die M3-Version von Android erinnern könnt, d.h. wie im Original-Ankündigungsvideo gezeigt, hatte diese einen völlig anderen Startbildschirm. Dieser Homescreen existierte tatsächlich bereits auf dem Sooner, allerdings hier noch als App. Ich kann mir vorstellen, dass er zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht ausgereift war, und sie diesen neuen Homescreen daher lediglich als Prototyp im Prototyp eingebunden hatten, wobei sie ihn einfach als eine Anwendung beließen, die man starten konnte – ähnlich wie man heute mehrere Launcher auf Android haben kann. Schließlich wurde dies der traditionelle Homescreen, den wir heute noch kennen.

home_screen.png

Apps

Der Browser auf dem Sooner basiert auf WebKit [ Mozilla/5.0 (Macintosh Intel Mac OS X; en) AppleWebKit/522+ Safari/419.3 ], und scheint ein Mac-Derivat zu sein – vielleicht schlicht um ihn zu maskieren, da Android nich nicht angekündigt war. Surfen war – ob der EDGE-Verbidung – jedoch nich eine sehr leidvolle und langsame Erfahrung, auch wenn das Rendern bereits recht gut war.

Eine rudimentäre Google Mail-Anwendung war auch bereits enthalten. Diese ist jedoch ein weit entfernter Urahn der Gmail App von heute. Google Talk war ebenfalls vorhanden und schien bereits gut zu funktionieren – jedenfalls wenn Ihr grün als Farbe mögt.

Andere Apps sind nur wenige enthalten gewesen. Einige arbeiteten, andere nicht, und einige arbeiteten teilweise, aber alle waren in diesem Stadium sehr rudimentär. Obwohl Maps, YouTube und Google Earth auf dem Gerät waren, konnte man keine von ihnen dazu bringen, etwas zu zeigen – Maps und YouTube starteten zwar, aber es schien noch nicht möglich zu sein, auf Inhalte zuzugreifen.

Zu diesen Apps kamen zu Beginn noch ein Notizblock, Adressbuch, Taschenrechner, Kalender, Kamera, und Textnachrichten hinzu. All diese arbeiteten ebenfalls mehr oder weniger gut, auf dem Erlkönig.

Nachlese

Es ist heute klar, dass Android initial für ein völlig anderes Ziel entwickelt wurde, bevor das iPhone veröffentlicht wurde. Was wir erkennen können, passte perfekt in die Welt von Symbian und BlackBerry. Diese frühe Version von Android ist sogar noch weniger leistungsfähig und weniger ausgereift als die 2004er Version der Symbian Series 90 (Hildon), dem Betriebssystem, das auf den ersten Touchscreen-Smartphones Nokia 7700 und 7710-Nokia läuft.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass das iPhone das Denken in der gesamten Branche wirklich verändert hat und alle von vorne anfangen ließ. So Gin es damals auch Andy Rubin. Android, webOS, Windows Phone 7, Windows 8 und BlackBerry 10 – alle diese existieren in ihrer heutigen Form insbesondere wegen des iPhone, und auf seinen Schultern stehend, haben sie einige erstaunliche und einzigartige Beiträge zum Ökosystem der Smartphones geleistet.

Als wir das iPhone zum ersten Mal sahen, würde schnell klar, dass alles über diesen Punkt hinaus völlig anders sein würde. Es ging nicht nur um Smartphones, es ging um die Zukunft des Computers. Wir leben in einer Welt, die noch vor einigen Jahren, Dank all dieser Betriebssysteme, entfernt futuristisch schien. Es ist erstaunlich, wie weit wir in so kurzer Zeit gekommen sind, und ich kann es persönlich kaum erwarten zu sehen, was als nächstes kommt.

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