HTC Bilanz Q1/2018 – Warum die meisten Äpfel mit Birnen vergleichen!

In den vergangenen Tagen stieß man im Netz immer und immer wieder auf Berichte über die Bilanz der HTC Corp. im Q1/2018, d.h. die aktuelle Gewinn- und Verlustrechnung des Smartphone-Herstellers. All diese Berichte erschienen bei namhaften Tech-Blogs und/oder Magazinen, und hatten eines gemeinsam: sie wählen angesichts der Entwicklungen innerhalb der HTC Corp. die falsche Perspektive für den Vergleich, und machen daher aus meiner Sicht alle einen entscheidenden Fehler:

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen!

Um dies zu verdeutlichen, werde ich im Folgenden, auf einige Kernthemen aus der Bilanz eingehen, die den erzielten Umsatz in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.


HTC Balance Q1/2018 – Why most compare apples to oranges!

In the past few days, reports on the balance sheet of HTC Corp. in Q1/2018, i.e. the current P&L statement of the smartphone manufacturer, have been found over and over again on the Internet. All of these reports have appeared in major tech blogs and/or magazines, and have one thing in common: they all choose the wrong perspective for comparison given the developments within HTC Corp. and therefore, in my opinion, all make a crucial mistake:

You’re comparing apples to oranges!

In order to illustrate this, I will now go into some of the core topics from the balance sheet, which show the sales achieved in a completely different light. In order to read this article in english, please continue on page 2.

Rahmenbedingungen der Bilanzanalyse

Ich möchte das Augenmerk nun also auf einige Teilaspekte der Bilanz richten, die klar aufzeigen, dass HTC seine Entwicklung im Bereich Mobile Devices keinesfalls zurückgefahren hat – mögen auch viele behaupten, dass dies schon alleine durch den Google-Deal, und die damit einhergehende Mitarbeiterübernahme, der Fall sei.

Alle bisher veröffentlichten Berichte vergleichen die Bilanz, oder präziser den Umsatz, des Q1/2018 mit dem Umsatz des Q1/2017, ohne zu hinterfragen, ob dieser simplifizierte Ansatz denn noch der Richtige ist. Ich sage, er ist es nicht! Ein Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum macht ausschließlich dann Sinn, wenn ein Unternehmen innerhalb der für den Vergleich herangezogenen Jahre stets eine gleichbleibende Unternehmensgröße, und gleich bleibendes – oder sogar wachsendes – Produktportfolio hat. Nur unter diesen Gesichtspunkten ist eine Vergleichbarkeit der Zahlen ohne weitere Einschränkungen gegeben.

Dies ist für gewöhnlich auch der Fall, da die meisten Unternehmen in der betrachteten Branche einem konstanten Wachstum unterworfen sind.

Portfolio Streamlining

Beides ist im Falle der HTC Corp. nichtzutreffend, denn die HTC Corp. hat in den vergangenen 2 Jahren einen sehr umfassenden Restrukturierungsprozess durchlaufen. Hierzu gehörte zum einen das Streamlining, d.h. die Reduktion, des Smartphone-Portfolio, bei dem man die Modellpalette von 2016 auf 2017 um 8 Modelle, auf 7 verringerte, und von 2017 auf 2018 noch einmal auf – aller Wahrscheinlichkeit nach – 4 bis 5 Modelle reduzieren wird, die man unter dem Brand HTC anbietet.

Konzern Restrukturierung

Zum anderen hat die HTC Corp. ihre Konzernstrukturen in einem weitreichenden Umfang reorganisiert. Dazu gehört der – mit der Verschlankung der Produktpalette – einhergehenden Rückbau eigener Fertigungsstandorte, und damit gleichermaßen Mitarbeiterabbau, aber auch die Veräußerung weiterer – als OEM für die Pixel Smartphones tätiger – Unternehmensbereiche an Google.

HTC Corp. Bilanz Q1/2018 – Eine Analyse

Hat man sonst keinerlei Berührungspunkte mit Bilanzierung, und verfügt eventuell selbst nicht über das Hintergrundwissen diese richtig zu verstehen und zu deuten, wird man durchaus die Frage stellen, was die beiden vorangegangenen Absätze mit meiner Aussage in der Einleitung zu tun haben. Das werde ich Euch gerne erklären. Verkleinert sich ein Unternehmen, wie im Beispiel der HTC Corp. geschehen, auf eine wirtschaftlichere Größe, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden und/oder sein Reaktionsvermögen zu erhöhen, sind die Umsätze vor einer solchen Restrukturierung nicht mehr repräsentativ, und daher für Vergleiche gänzlich ungeeignet.

Vielmehr ist es notwendig andere Faktoren innerhalb der Bilanz zu bewerten und deren Resultat, die Margen – oder noch viel präziser die Verhältnisse der Margen/Erträge zum Gesamtumsatz – miteinander zu vergleichen. Denn durch die Verschlankung hat sich nicht nur der Umsatz reduziert, sondern auch die Personalkosten und Sachkosten. Zu Letzteren zählen beispielsweise auch die Kosten für den Unterhalt der Fertigungsstandorte, die durch Schließungen ebenfalls gesunken sind.

Gewinn- und Verlustrechnung Q1/2018

Es ist daher einzig sinnvoll die beiden Quartale seit der Teilveräußerung an Google zu betrachten. Diese sind das Q4/2017 und das Q1/2018. Ich könnte diesen Abschnitt daher auch „Gewinn- und Verlustrechnung Q1/2018 post Google“ nennen.

Ich habe dies einmal gemacht und die Zahlen des Q1/2018 exklusive der Zahlungen durch Google, sowie inklusive der Zahlungen von Google, dem 4ten Quartal 2017 gegenübergestellt:

Bilanz Q1/2018 Bilanz Q4/2017 Δ
Gesamtumsatz (Mrd. TWD) 8,8 15,7 -43,9%
Bruttoerträge aus Umsätzen (Mrd. TWD) -0,3 -4,8 93,8%
Bruttoerträge aus Umsätzen (%) -3,4% -30,1% 88,7%
Betriebskosten (Mrd. TWD) 4,9 4,7 4,3%
sonstige betriebliche Ausgaben (Mrd. TWD) 0,0 -0,2 -100,0%
Umsatzergebnis (Mrd. TWD) -5,2 -9,8 46,9%
sonstige betriebliche Erträge (Mrd. TWD) 31,6 0,0 100%
Betriebsergebnis (Mrd. TWD) 26,4 -9,8 269,4%

An der Tabelle erkennt man, dass der Gesamtumsatz im Vergleich zum letzten Jahr zurückgegangen ist, und die Bruttoerträge noch nicht wieder vollständig im schwarzen Bereich angekommen sind. Bei einem geringeren Gesamtumsatz sind die Erträge, im Vergleich zum Vorjahr, dennoch um knapp 94% gestiegen, was einen direkten Rückschluss darauf zulässt, dass die Profitabilität der Absatzmärkte eine deutliche Steigerung erfahren hat. In den Betriebskosten schlagen sich im vorliegenden Quartal, wie bereits im Q4/2017, unter anderem die Aufwände für die Restrukturierung nieder, so dass es an dieser Stelle gilt die Entwicklung in den kommenden Monaten abzuwarten. Dennoch erfährt das Umsatzergebnis nach Betriebskosten eine Steigerung von -9,8 Mrd. TWD auf -5,2 Mrd. TWD, was einer Verbesserung von rund 46% entspricht.

Nimmt man die sonstigen betrieblichen Erträge hinzu, in denen sich auch die Erträge aus dem Google-Deal wiederfinden, kann das Unternehmen im ersten Quartal 2018 ein Betriebsergebnis von 26,4 Mrd. TWD vor Steuern ausweisen. Die Aussage, dass HTC durch den Google-Deal Profite ausweisen konnte stimmt damit zwar, aber es ist lediglich eine Seite der Medaille. An den Bruttoerträgen aus Umsätzen kann man erkennen, dass die HTC Corp. auf einem sehr guten Weg hinsichtlich ihrer Absatzzahlen ist, was eine positive Unternehmensentwicklung bescheinigt. Es gilt, so kann man sicherlich konstatieren, dass die HTC Corp. ihre Betriebskosten weiter durch Umsatz kompensieren muss, aber die Entwicklung lässt hier durchweg positives erahnen.

Vermögenswerte Q1/2018

Einen weiteren, sehr bedeutenden, Eindruck erhält man in der Betriebswirtschaft stets auch durch den Blick auf die Vermögenswerte eines Unternehmens. Die Eigenkapitalquote ist in diesem Zusammenhang die bedeutendste vertikale Bilanzkennzahl. Sie dient im Unternehmen selbst als Grundlage für Finanzierungsentscheidungen. Darüber hinaus interessiert sie externe Wettbewerber, Kreditinstitute, andere Gläubiger, Ratingagenturen und Gesellschafter (Aktionäre).

Werfen wir daher auch einen Blick auf eben diese Statistik:

Bilanz Q1/2018 Bilanz Q4/2017 Δ
Gesamtkapital (Mrd. TWD) 83,1 66,6 19,9%
Eigenkapital (Mrd. TWD) 54,6 33,7 38,3%
Eigenkapitalquote 65,7% 50,6% 23,0%

Um einen schnellen Vergleich anzustellen, sei folgendes Beispiel aus der Versicherungswirtschaft genannt:

In der EU gibt es da sogenannte Solvency-II-Projekt der EU-Kommission, welches zu einer grundlegenden Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa führt, vor allem der Solvabilitätsvorschriften für die Eigenmittelausstattung von Versicherungsunternehmen. Das Projekt der EU-Kommission besagt, dass jedes Versicherungsunternehmen in Europa eine Liquidität, d.h. eine ständige Eigenkapitalquote in Höhe von mindestens 25% des Gesamtkapitals vorhalten muss.


Vergleichen wir dieses Beispiel mit der aktuellen Eigenkapitalentwicklung der HTC Corp., stellen wir schnell fest, dass die Eigenkapitalquote mit 50% bereits im Q4/2017 sehr gut war, und sich im Q1/2018 noch einmal um 23%, auf insgesamt 65% gesteigert hat.

Gleichbleibende Entwicklungsausgaben

Bei all dem oben berichteten, fehlt mir persönlich noch ein letzter, sehr richtungsweisender, Aspekt: die Entwicklungsausgaben. Die HTC Corp. hat in ihren Betriebskosten für das Q1/2018 Entwicklungskosten von ca. 2,6 Mrd. TWD enthalten. Diese sind nicht nur im Vergleich zum Q4/2017, sondern auch im Vergleich zum Q1/2017 unverändert! Was dies bedeutet sollte sich ein jeder Leser sofort denken können:

Die HTC Corp. steckt – trotz eines reduzierten Produktportfolio – noch immer die gleichen finanziellen Aufwände in die Entwicklung neuer Modelle.

Somit steigt der Entwicklungsetat je Smartphone-Modell sogar an. Bei 2,6 Mrd. TWD, und 7 Modellen im Jahr 2017 galten demzufolge 0,37 Mrd. TWD pro Modell. Gehen wir von den eingangs vermuteten 5 Modellen für 2018 aus, so betragen die Entwicklungsetats je Modell im Jahr 2018 sogar 0,52 Mrd. TWD, was einer Steigerung des Gesamtetats um 28% je Modell entspricht.

Zusammenfassung

Wir können also nach eingehender Studie der ersten Quartalsbilanz 2018 festhalten, dass die HTC Corp. durch ihre Entscheidungen im vergangenen Jahr auf dem richtigen Weg ist. Nicht zuletzt sind die oben präsentierten Zahlen auch ein Grund für die, seit einigen Tagen, erneut sehr positive Entwicklung des Aktienkurses der HTC Corp.:

HTC Stock

Zwar wird das Q2/2018 sicherlich noch einmal eine Durststrecke, was durch die späte Veröffentlichung des HTC U12+ bedingt ist, man ist in Taiwan aber – nach der erfolgten Restrukturierung – auf dem richtigen Weg. Wie wir hier in Deutschland sagen: die HTC Corp. ist wieder auf dem aufsteigenden Ast, und hoffentlich alsbald wieder in ruhigeren Fahrwassern.

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