HTC Bilanz Q2/2018 – Positive Entwicklung im 1sten Halbjahr!

Aufgrund der – noch immer in vollem Gange befindlichen – starken strukturellen Umbaumaßnahmen bei der HTC Corp., stößt man auch nach Ablauf des 1sten Halbjahres 2018 noch immer auf zahlreiche Artikel, die lediglich die negativen Aspekte der aktuellen Umsatzentwicklung hervorheben. Daher habe ich auch heute noch einmal die aktuelle Gewinn- und Verlustrechnung des Smartphone-Herstellers für das Q2/2018 analysiert, und meine Gedanken im Folgenden zusammengefasst. Denn leider wählen noch immer viele namhaften Tech-Blogs und/oder Magazinen die falsche Perspektive für den Vergleich, und machen auch weiterhin den Fehler Äpfel mit Birnen zu vergleichen.


HTC Balance Sheet Q2/2018 – Positive development in 1st half-year!

Due to the strong structural restructuring measures at HTC Corp., which are still in full swing, you will still come across numerous articles after the end of the first half of 2018 that only highlight the negative aspects of the current sales development. Therefore I have analyzed the current profit and loss account of the smartphone manufacturer for Q2/2018 again today, and summarized my thoughts in the following. Unfortunately, many well-known tech blogs and/or magazines still choose the wrong perspective for comparison, and continue to make the mistake of comparing apples with pears.

You’ll also find my analysis in English on the second page.

Rahmenbedingungen der Bilanzanalyse

Ich möchte das Augenmerk nun also erneut auf einige wesentliche Teilaspekte der Bilanz richten, die klar aufzeigen, in welche Richtung sich HTC entwickelt. Alle bisher veröffentlichten Berichte vergleichen die Bilanz, oder präziser den Umsatz, des Q2/2018 mit dem Umsatz des Q2/2017. Ich habe jedoch bereits in meiner Analyse der Bilanz aus Q1/2018 dargestellt, weshalb dieser simplifizierte Ansatz falsch ist. Diese Darstellung hat nach wie vor gleichermaßen Bestand.

Konzern Restrukturierung

Die HTC Corp. ist noch immer dabei ihre Konzernstrukturen in einem weitreichenden Umfang zu reorganisieren. Ein Prozess welcher durchaus noch bis weit ins Q3/2018, wenn nicht sogar Q4/2018, andauern wird. Dazu gehört der – mit der Verschlankung der Produktpalette – einhergehende Rückbau eigener Fertigungsstandorte, und der damit verbundene Mitarbeiterabbau, aber auch die Umstellung auf das Outsourcing einiger Produkte an sogenannte ODM (Original Design Manufacturer) – ganz ähnlich dem Weg, den Apple mit Foxconn zur Fertigung der iPhones bereits sehr lange gewählt hat.

HTC Corp. Bilanz Q2/2018 – Eine Analyse

Hat man sonst keinerlei Berührungspunkte mit Bilanzierung, und verfügt eventuell selbst nicht über das Hintergrundwissen diese richtig zu verstehen und zu deuten, wird man durchaus die Frage stellen, was die beiden vorangegangenen Absätze mit meiner Aussage in der Einleitung zu tun haben. Ich finde es persönlich wichtig dies immer wieder zu erklären, und so das Verständnis für die Analyse von Unternehmensbilanzen zu stärken. Daher auch an dieser Stelle noch einmal die Erläuterung aus meinem letzten Artikel.

Verkleinert sich ein Unternehmen, wie im Beispiel der HTC Corp. geschehen, auf eine wirtschaftlichere Größe, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden und/oder sein Reaktionsvermögen zu erhöhen, sind die Umsätze vor Beginn einer solchen Restrukturierung nicht mehr repräsentativ, und daher für Vergleiche gänzlich ungeeignet.

Vielmehr ist es notwendig andere Faktoren innerhalb der Bilanz zu bewerten und deren Resultat, die Margen – oder noch viel präziser die Verhältnisse der Margen/Erträge zum Gesamtumsatz – miteinander zu vergleichen. Denn durch die Verschlankung hat sich nicht nur der Umsatz reduziert, sondern auch die Personalkosten und Sachkosten. Zu Letzteren zählen beispielsweise auch die bereits gesunkenen Kosten für den Unterhalt der Fertigungsstandorte, und durch weitere, bereits angekündigte Schließungen noch einmal sinken werden.

Gewinn- und Verlustrechnung Q2/2018

Vergleichen wir daher heute das Q1/2018 und das Q2/2018. Ich habe dies einmal gemacht und die Zahlen des Q1/2018 exklusive der Zahlungen durch Google, sowie inklusive der Zahlungen von Google, dem 2ten Quartal 2018 gegenübergestellt:

Bilanz Q2/2018 Bilanz Q1/2018 Δ
Gesamtumsatz (Mrd. TWD) 6,8 8,8 -22,7%
Bruttoerträge aus Umsätzen (Mrd. TWD) 0,2 -0,3 166,7%
Bruttoerträge aus Umsätzen (%) 2,7% -2,1%
Betriebskosten (Mrd. TWD) 3,6 4,7 -23,4%
sonstige betriebliche Ausgaben (Mrd. TWD) 0,0 0,0 0,0%
Umsatzergebnis (Mrd. TWD) -3,4 -4,9 30,6%
sonstige betriebliche Erträge (Mrd. TWD) 1,3 31,6 -95,9%
Betriebsergebnis (Mrd. TWD) -2,1 26,4 -108,0%

An der Tabelle erkennt man, dass der Gesamtumsatz im Vergleich zum letzten Quartal zwar noch einmal zurückgegangen ist, aber die Bruttoerträge nach langer Zeit wieder im schwarzen Bereich angekommen sind. Bei einem geringeren Gesamtumsatz sind die Erträge, im Vergleich zum vorangegangenen Quartal, daher um knapp 167% gestiegen, was einen direkten Rückschluss darauf zulässt, dass die Profitabilität der Absatzmärkte eine neuerliche Steigerung erfahren hat. In den Betriebskosten schlagen sich im vorliegenden Quartal, wie bereits im Q1/2018, noch immer die Aufwände für die Restrukturierung nieder, so dass es gilt an dieser Stelle die Entwicklung in den kommenden Monaten abzuwarten. Dennoch konnten die Kosten bereits um mehr als 23% gesenkt, und das Umsatzergebnis nach Betriebskosten von -4,9 Mrd. TWD auf -3,4 Mrd. TWD gesteigert werden. Eine Verbesserung von rund 30%. Nach einer 46%-tigen Steigerung von Q4/2017 auf Q1/2018, hält der Positivtrend an dieser Stelle demnach auch weiter an.

Ohne die Erträge aus dem Google-Deal, kann das Unternehmen im zweiten Quartal 2018 ein Betriebsergebnis von -2,1 Mrd. TWD vor Steuern ausweisen. Die Aussage, dass HTC durch den Google-Deal Profite ausweisen konnte stimmt damit zwar, aber es ist lediglich eine Seite der Medaille. Vergleichen wir das Betriebsergebnis mit den -9,8 Mrd. TWD aus dem Q4/2017, so kann man nämlich konstatieren, dass die HTC Corp. dieses im 1sten Halbjahr 2018 um satte 78% hat steigern können. Dies entspricht einem monatlichen Wachstum von 13%. Die HTC Corp. ist damit ganz sicher auf dem richtigen Weg! Es gilt, so kann man sicherlich ebenfalls konstatieren, dass die HTC Corp. ihre Betriebskosten weiter senken, sowie durch Umsatz kompensieren muss, aber die Entwicklung lässt hier auch weiterhin positives erahnen.

Vermögenswerte Q2/2018

Einen weiteren, sehr bedeutenden, Eindruck erhält man in der Betriebswirtschaft stets auch durch den Blick auf die Vermögenswerte eines Unternehmens. Die Eigenkapitalquote ist in diesem Zusammenhang die bedeutendste vertikale Bilanzkennzahl. Sie dient im Unternehmen selbst als Grundlage für Finanzierungsentscheidungen. Darüber hinaus interessiert sie externe Wettbewerber, Kreditinstitute, andere Gläubiger, Ratingagenturen und Gesellschafter (Aktionäre).

Werfen wir daher auch noch einmal einen Blick auf eben diese Statistik:

Bilanz Q2/2018 Bilanz Q1/2018 Δ
Gesamtkapital (Mrd. TWD) 79,7 83,1 -9,6%
Eigenkapital (Mrd. TWD) 52,7 54,6 -3,4%
Eigenkapitalquote 66,1% 65,7% 0,1%

Um einen schnellen Vergleich anzustellen, sei folgendes Beispiel aus der Versicherungswirtschaft genannt:

In der EU gibt es da sogenannte Solvency-II-Projekt der EU-Kommission, welches zu einer grundlegenden Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa führt, vor allem der Solvabilitätsvorschriften für die Eigenmittelausstattung von Versicherungsunternehmen. Das Projekt der EU-Kommission besagt, dass jedes Versicherungsunternehmen in Europa eine Liquidität, d.h. eine ständige Eigenkapitalquote in Höhe von mindestens 25% des Gesamtkapitals vorhalten muss.


Vergleichen wir dieses Beispiel mit der aktuellen Eigenkapitalentwicklung der HTC Corp., stellen wir schnell fest, dass die Eigenkapitalquote mit knapp 66% bereits im Q1/2018 sehr gut war, und sich im Q2/2018 auf diesem Wert gehalten hat.

Zusammenfassung

Wir können also nach eingehender Studie der zweiten Quartalsbilanz 2018 festhalten, dass die HTC Corp. durch ihre Entscheidungen im vergangenen Jahr auch weiterhin auf dem richtigen Weg ist. Zwar spiegelt das Q2/2018 sicherlich noch einmal eine Durststrecke wieder, was sich wohl auch im Q3/2018 noch einmal fortsetzen wird, man setzt in Taiwan die begonnene Restrukturierung jedoch konsequent fort. Selbstverständlich benötigt man hierfür einen entsprechend langen Atem im Jahr 2018. Die Zeichen stehen aber – entgegen vieler Äußerungen in der Tech-Presse – auch weiterhin durchaus gut.

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