Kommentar – Leaks wo sie her kommen, und weshalb niemand sie braucht!

Eines der Themen, das die Nutzer von Social Media allem Anschein nach, und wie ein Dauerbrenner fasziniert, sind scheinbar Nachrichten über technologische Innovationen, oder besser gesagt neue Smartphones und die Trends der kommenden Generation. Egal wann man sich in den Medien umsieht, ob letzte Woche, letzten Monat, oder das letzte Jahr, macht dabei keinen, oder aber kaum einen wesentlichen Unterschied. Ohne Ausnahme sind derartige Gerüchte über neue Smartphones, oder auch die mögliche Zukunft namhafter Hersteller, immer wieder Auslöser intensiver Spekulationen, unzähliger Leaks, und High-Tech-Scoutings auf Blogs und Twitter.

Unternehmen haben es offenbar schwer, ihre neuesten Produkte unter Verschluss zu halten. Dabei gibt es doch viel Privatsphäre und Geheimhaltung, die eine Produkteinführung umgeben sollte, aber innerhalb weniger Momente verschwinden kann, oder präziser genau dann, wenn ein Blog unerwartet Blaupausen oder geleakte Produktaufnahmen des neuesten Geräts vorzeitig veröffentlicht. Ob es sich nun um Prototypen handelt, der auf der Rückbank eines Taxi liegen geblieben ist, oder um sensible Unternehmensdaten, die heimlich erfasst, und weitergeleitet werden, es scheint, dass keine Technologiemarke gegen die heutige Leakkultur immun ist.

Die Dinge sind so schlimm geworden, dass einige Unternehmen den Mitarbeitern ernsthafte Drohungen über Leaks und deren Folgen gemacht haben, die mit sofortiger Entlassung und rechtlichen Schritten drohten. Woher wissen wir das, als Blogger wiederum? Die Antwort ist schlicht und einfach, dass sogar derart bedrohlichen E-Mails von den Mitarbeitern des Unternehmens nach außen weitergegeben wurden. Leaks sind daher ein Teil des technischen Nachrichtenzyklus geworden.

Wie kommt es aber nun zu technischen Leaks, und wer ist für Diese verantwortlich? Schauen wir uns dies einmal genauer an.

Die unbeabsichtigten Leaks

Wir waren alle schon mal an dem folgenden Punkt – allerdings vermutlich ohne den Prototypen eines kommenden Smartphones mit uns herum zu tragen. Du bist mit deinen Kumpels unterwegs, naschst ein paar Snacks an einer Bar und hast im Allgemeinen eine tolle Zeit, dann packst Du dich in ein Taxi, und lässt Dich nach Hause fahren, wobei du Deine Tasche, oder den Mantel den ganzen Abend ohne große Sorge neben Dich auf den Sitz geworfen hast. Am nächsten Morgen wachst Du auf und schnappst Dir deine Tasche, nur um mit großem Schrecken zu erkennen, dass Du wohl dein Smartphone im Taxi verloren hast. Nur, dass es sich dabei, im Falle einer User Trial, oder aber einem firmeninternen Test, um das unschätzbare, supergeheime Prototypgerät handelt, mit dem Du betraut wurdest, und das wahrscheinlich gerade einen Barkeeper oder Taxifahrer sehr beliebt bei Reddit gemacht hat.

Dass die obige Geschichte nicht so weit hergeholt ist, wie sie scheint, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2010, in dem ein Apple Softwareentwickler das bisher unveröffentlichte iPhone 4 auf einem Barhocker zurück ließ. Es dauerte nicht lange, bis die Bilder des Telefons online waren, wobei Gizmodo es in die Finger bekam, die Technik analysierte und eine vollständige Aufbereitung der Daten durchführte. Sogar Steve Jobs nahm damals Kontakt auf und bat um Rückmeldung. Der Ingenieur wurde später mit den Worten:

„Ich habe unterschätzt, wie gut deutsches Bier ist“

als Grund für das verlegte Gerät zitiert, und zweifellos hat er von seinen Chefs eine kleinere, oder größere Zurechtweisung erhalten.

Man sollte meinen, dass die Lektion alleine durch einen solchen Zwischenfall gelernt worden wäre, spulen wir daher bis 2011 vor, und können hierdurch erfahren, dass ein anderer Apple-Mitarbeiter einen Prototyp des iPhone 5 in einer Tequila-Bar liegen ließ. Vielleicht sollten Apple-Mitarbeiter also einfach den Schnaps weglassen.

Nur ist Apple hier kein Einzelfall. In vielen anderen Unternehmen haben Mitarbeiter ebenfalls Prototypen verlegt, wodurch sie anschließend online erschienen. Der Fall von oben wiederholte sich so auch beim Google Pixel 3 XL, welches auf der Rücksitzbank eines Taxis vergessen wurde, und dessen Bilder einmal mehr schnell ihren Weg ins Netz fanden.

Leaks in der Lieferkette

Lecks entstehen aber nicht immer dadurch, dass Mitarbeiter versehentlich schlampig werden. Die Lieferkette ist ebenfalls reich an Informationspotenzial, insbesondere in der Technologiebranche, wo so viele Komponenten von verschiedenen Lieferanten bezogen werden.

Es könnte aus den, scheinbar einfachen, Wirtschaftsnachrichten kommen, dass ein Unternehmen einen Auftrag für ein großes Volumen eines bestimmten Bauteils erteilt hat, was sofort zu Spekulationen über die Spezifikationen eines zukünftigen Geräts führt. Oder es könnte jemand an der Produktionslinie beteiligt sein, der ein schnelles Foto des Korpus des neuesten Smartphone macht, wie es bei Apple- und Samsung-Modellen in der Vergangenheit immer wieder der Fall war.

Dann gibt es noch die Zubehörhersteller. Es gibt eine ganze Branche, die darauf ausgerichtet ist, Euer Gadget mit dem passenden Bumper kratz- und rissfrei zu halten, und eben diese Bumper sind normalerweise gleichzeitig mit dem Gerät selbst oder manchmal sogar davor bereits in Produktion.

Und wir wissen doch alle, dass uns ein Bumper unglaublich viel über ein neues Gerät aussagen kann, wie z.B. wie groß es ist, wie dünn, wie viele Kameras, ob ein Fingerabdrucksensor an Bord ist …. es gibt schier so viel, das aus einer einfachen Plastikschale abgeleitet werden kann. Apple erlebte eine ganz ähnliche Situation, als der chinesische Hersteller Catcher Technology die Renderings der iPhone 7 Hülle durchsickerte. Die Leute erkannten schnell, dass es kein Loch mehr für die Kopfhörerbuchse gab, und tatsächlich war das iPhone 7 das erste, das den Anschluss entfallen ließ.

Gebrochene Embargos

Medien und Technologieunternehmen haben zum größten Teil eine symbiotische Beziehung. Die Seiten wollen Klicks, und die Unternehmen wollen, dass ihre Produkte beworben werden – dem Grunde nach also eine Win-Win-Situation, wenn alles wie geplant läuft. Die frühzeitige Weitergabe von Informationen ist daher ein guter Weg, um sicherzustellen, dass der Hype um ein Gerät, oder einen Dienst herum direkt am Tag der offiziellen Präsentation ausgelöst werden kann, so dass es wenige verwundern wird, dass es ist nicht ungewöhnlich, dass Journalisten in vorzeitige Informationsweitergabe verwickelt sind, die ihnen helfen, ihre Inhalte deutlich früher zu erstellen, sei es ein Blatt mit technischen Daten, oder auch das Produkt selbst, welches für ein Hands-On, oder vorab Review zur Verfügung gestellt wurde.

In der Regel haben diese Partner natürlich die entsprechenden Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnet, in denen sie sich verpflichten, bis zu einem Embargodatum keine Informationen preiszugeben. Manchmal – und von Jahr zu Jahr häufiger – brechen sie jedoch die NDA. Ein Embargo zu brechen und eine Geschichte zuerst herauszubringen, bringt Ihnen zwar die Klicks, kostet sie aber ggf. auch Ihre gute Beziehung zum jeweiligen Hersteller. Es ist nichts, was ein seriöser Blog, oder seriöses Onlinemagazin absichtlich tun sollte.

Absichtliche Leaks

Leaks können zwar manchmal einem Unternehmen schaden, aber sie können auch viel Interesse wecken und die Schlagzeilen dominieren. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es Fälle gegeben hat, in denen die Umstände eines Leaks zumindest verdächtig waren, um es vorsichtig auszudrücken. Der Beweis, dass sie absichtlich sind, ist jedoch eine knifflige Angelegenheit. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie ein Unternehmen seine eigenen Informationen durchsickern lassen kann. Zu frühes Drücken des Knopfes auf Werbematerialien, wie es Microsoft, Apple und Samsung in der Vergangenheit getan haben, oder ein Mitarbeiter, der mit sensiblen Details schlampig wird, sind ziemlich häufig.

Samsung veröffentlichte auf seiner eigenen Website Vorbestellinformationen für den Galaxy Note S9, bevor das Phablet überhaupt angekündigt wurde. Apple hat es geschafft, Screenshots und Informationen über sein MacBook Pro mit Touchbar in einem unschuldigen macOS-Update zu enthüllen und das innovative OLED-Touchstrip in seiner ganzen Pracht eine Woche vor der Enthüllung zu präsentieren.

Wrap-Up

Es ist daher schwer zu wissen, wann ein Leak ein echter oder absichtlicher Unfall ist, aber eines ist sicher, sie können einem Unternehmen sowohl schaden, als auch nutzen. Ein zweiter Fakt, der ebenfalls als gesichert gelten kann, ist der, dass uns als erwartungsvollen Nutzern häufig durch Leaks die Vorfreude, oder aber auch Spannung auf ein neues Gerät unseres Favorisierten Herstellers genommen wird. Man kann also konstatieren, dass diese Auswirkung dem betroffenen Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit eher schaden, als nutzen werden. Ich bin daher von einem anfänglichen Befürworter derartiger Leaks, zu einem starken Gegner selbiger geworden.

Dies liegt wohl auch darin begründet, dass ein einzelner Leak – wie es in der Branche zu Beginn der Fall war – die Spannung und Vorfreude sogar anheizen konnte, und einen selber dazu angeregt hat Mutmaßungen über das finale Aussehen, und Konfiguration des kommenden Smartphones anzustellen. Dies ist mir jedoch, durch die schier absurd gewordene Fülle an Leaks, vor der Veröffentlichung eines jeden neuen Smartphones genommen worden. Heute ist es kaum mehr möglich sich diesen zu entziehen, geschweige denn die eigenen Phantasie spielen zu lassen, da meist die gesamten Details eines bald erscheinenden Smartphones bereits vor dessen offizieller Präsentation bekannt sind.

Vielleicht ist dies auch ein Grund für die rückläufigen Absatzzahlen vieler Hersteller. Keine Spannung, keine Begeisterung für ein Smartphone, bedeuten auch weniger Kauflust bei den potentiellen Kunden. Wie steht Ihr zu Leaks? Sinn, oder Unsinn? Notwendiges Übel, oder leidiges Thema? Lasst mich Eure Gedanken zu diesem Thema gerne in den Kommentaren wissen, und uns so darüber diskutieren.

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: